Der Musikpreis der Stadt Duisburg

 

Tan Dun

Mit Tan Dun ehrt der Musikpreis der Stadt Duisburg den im Westen bekanntesten Komponisten Chinas. Der 1957 in Simao / China geborene Künstler hat sich besonders vielfältig und originell mit interkulturellen Beziehungen zwischen der westlichen Welt und dem Fernen Osten beschäftigt. Ob in seiner Oper "Marco Polo" oder in seiner mit einem Oscar ausgezeichneten Musik zum Film "Tiger & Dragon": Tan Dun strebt weniger eine Vermischung der Stile an als vielmehr das Verständnis für deren Unterschiede zu schärfen.

Für Aufsehen sorgte Tan Dun auch mit seinem neuesten Werk, der Komposition "Secret Land" für die Berliner Philharmoniker, die unter der Leitung von Simon Rattle im letzten Jahr uraufgeführt wurde. Nach seiner zweiten Oper, die von der Metropolitan Opera New York in Auftrag gegeben wurde un im Dezember 2006 unter der Leitung von James Levine uraufgeführt werden soll.

In Duisburg ist Tan Dun vor fünf Jahren mit der spektakulären Europäischen Erstaufführung seines multimedialen Werks "Orchestral Theatre IV: The Gate" hervorgetreten. Ein aufwendiges Werk für "Sopran, Peking-Opern-Mimin, Puppenspielerin, Video-Installation und Orchester", das kulturelle Erfahrungen aus dem Westen, aus China und Japan in sich vereinigt, ohne sie zu vermischen. Ein ehrgeiziges Projekt der Duisburger Philharmoniker, das nicht nur beim Publikum einen tiefen Eindruck hinterließ, sondern auch auf großes überregionales Interesse stieß. Die vier "Orchestral Theatres" gehören neben den Opern und früheren "Nine Songs" für 20 Sänger, neun Spieler und einen Dirigenten (1989) zu den zentralen Werkblöcken des Komponisten und dokumentieren eine immer größere Öffnung zu mulimedialen Ausdrucksformen.

Seine frühe Prägung durch die Begegnung mit ritueller Musik seiner Heimat und insbesondere der Peking-Oper schlägt sich in vielfältiger Weise in seinem Werk nieder. Einschneidend wirkte sich der Einbruch der Kulturrevolution auf die Biografie Tan Duns aus, die er zeitweise in einem Umerziehungslager auf Reisfeldern verbracht, was seine Neugier auf die traditionelle Musik Chinas und neue Töne des Westens jedoch nur verstärkte. Eine Neugier, die er anschließend bei seinem Studium am Konservatorium von Peking stillen konnte.

Zu den größten Bewunderern Tan Duns in Europa gehört der Direktor der Nederlandse Opera Amsterdam, Pierre Audi, der die Oper "Tea: A Mirror of Soul" nicht nur in Auftrag gegeben hat, sondern sie auch 2002 in Tokyo und ein Jahr später in Amsterdam inszenierte.

Als "Kultfigur der Weltmusik" bezeichnete das Magazin "Der Spiegel" den Komponisten, der bereits mit seinen frühen Werken auf den westlichen Konzertpodien rasch bekannt wurde. Die überaus klangsinnliche Konfrontation der europäischen Avantgarde mit der chinesischen Musiktradition ging wie ein frischer Wind durch die elitären Zirkel der Neuen Musik.


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