Alfred Brendel
 

Alfred Brendel

* 5.1.1931

„Psychologie des Herzens“ – so charakterisiert der Musikjournalist Joachim Kaiser die großartige Klavierkunst Alfred Brendels, in der sich Intellekt und Intuition auf einzigartige Weise verbinden. Der österreichische Pianist, Essayist und Lyriker erhält den Musikpreis der Stadt Duisburg 2009.

Ein leicht skurriles Gedankenspiel stellte im März 2009 die Frankfurter Allgemeine Zeitung an: „Welch inspirierende musikalische Analysen hätte man von Alfred Brendel als Professor für Musikwissenschaft in Harvard erwarten können, wäre er nicht bis vor kurzem doch viel lieber als Pianist in den Konzertsälen der Welt unterwegs gewesen.“

Nun wird sich kein Musikfreund ernsthaft wünschen, dass Alfred Brendel einen anderen Lebensweg eingeschlagen hätte als den, der ihn zu einem der größten Interpreten klassischer Musik im 20. Jahrhundert gemacht hat. Aber ganz so abwegig ist die Spekulation trotzdem nicht. Schließlich kennt man Alfred Brendel nicht nur als bezwingenden und überwältigenden Klangredner am Klavier, er hat auch stets die „Musik beim Wort genommen“ – so der Titel eines seiner erfolgreichsten Bücher. Der unbestechliche Sinn für Pointen und Nuancen, die Fähigkeit, in der kleinsten Geste das Große und Ganze zu erfassen, prägen sein Spiel ebenso wie sein umfangreiches literarisches Werk.

Alfred Brendel entstammt einer österreichisch-deutsch-italienisch-slawischen Familie. Er kommt 1931 im mährischen Wiesenberg zur Welt, studiert Klavier, Komposition und Dirigieren in Zagreb und Graz und beschließt seine Klavierstudien bei Edwin Fischer. Brendels internationale Karriere beginnt 1949 mit einem Preis beim renommierten Busoni-Wettbewerb in Bozen. Als Interpret der Wiener Klassiker erlangt er Weltruhm; er rehabilitiert die lange vernachlässigten Klaviersonaten Franz Schuberts, indem er „einen Sonatenkosmos in einen Schicksalszusammenhang umdeutet“ (Joachim Kaiser).

Aber Alfred Brendel ist nicht nur ein subtiler pianistischer Poet, ein überlegener Architekt musikalischer Struktur, er ist auch – was gelegentlich übersehen wird – ein hinreißend vitaler Virtuose, der Liszts h-Moll-Sonate oder Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ zu eindrucksvoll aufragenden Klangfresken formt.

Über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg hat Alfred Brendel auf den bedeutendsten Podien der Welt Triumphe gefeiert, als er im Dezember 2008 seine aktive Pianistenlaufbahn beendet. Nicht erst seitdem widmet er sich mit großem Erfolg seiner literarischen Tätigkeit, schreibt Essays und Gedichte, deren sprachliche Eleganz und hintergründiger Humor weit über die musikalische Welt hinaus für Begeisterung sorgen.

Homepage von Alfred Brendel

zurück