Hans Wallat

 

Dirigent und langjähriger GMD der Deutschen Oper am Rhein

 

Er ist zwar ein Berliner Junge. Die „Berliner Schnauze“ sucht man bei ihm jedoch vergebens. Hans Wallat redet nicht gern und nicht viel. Er steht auch nicht gern im Rampenlicht. Zum glamourösen Pult-Star hat er es deshalb auch nie gebracht und nie bringen wollen. Und das, obwohl sich sein Name von Wien bis New York bei Künstlern, Intendanten und nicht zuletzt beim Publikum höchster Wertschätzung erfreut. Es gibt keinen anderen deutschen Dirigenten seines Rangs, der, außerhalb seiner (stattlichen) Fangemeinde, als Person so unbekannt geblieben ist wie Hans Wallat. Und daran hat sich auch an seinem 80. Geburtstag im letzten Jahr nichts geändert. Wallat blieb immer lieber in der „Versenkung“, seinem Lieblingsplatz im Theater, wo er im Orchestergraben die Fäden fest und unsichtbar 'in Händen halten konnte und sich am Wohlsten fühlte.

„Mehr sein als scheinen“: Diese preußische Tugend wurde zum Lebensmotto des Ost-Berliners, der sich seine Karriere nach einem gründlichen Studium in Schwerin und einer knochenharten Ochsentour durch die Provinz bis zu den Lorbeeren der Metropolitan Opera und der Wiener Staatsoper Schritt für Schritt erarbeitete. Seine ersten Stationen: Stendal, Meiningen, Schwerin, Cottbus und bis 1961 Leipzig. Mit dem Mauerbau siedelte er nach Westdeutschland um. Kapellmeistertätigkeiten in Stuttgart und Berlin gingen seiner ersten Position als Generalmusikdirektor in Bremen voraus. In gleicher Funktion arbeitete er dann in Mannheim, Dortmund, Hamburg und, von 1986 bis 1995, an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg. Daneben gastierte er in Bayreuth, New York und immer wieder an der Wiener Staatsoper. Sein Herz schlägt für die deutsche Oper des 19. und 20. Jahrhunderts.

Als Wagner-Dirigent mit profunder Werkkenntnis, unschätzbarer Erfahrung und perfektem handwerklichem Rüstzeug war er überall begehrt. Aber auch Randbereiche der Wagner-Nachfolge, etwa Schreker und Pfitzner, waren bei ihm gut aufgehoben. Und seine enge Zusammenarbeit mit Kurt Horres brachte ihn immer wieder mit dem kürzlich verstorbenen Komponisten Giselher Klebe in Verbindung, dessen komplettes Opernschaffen er nicht nur in Darmstadt und Düsseldorf/Duisburg aus der Taufe hob und liebevoll pflegte.

Kaum ein Träger des Duisburger Musikpreises ist in der Stadt so oft aufgetreten wie Hans Wallat. Und zwar nicht nur im Theater, sondern auch in der (alten) Mercatorhalle. Wagner-Galas, Benefiz-Konzerte und städtische Konzerte mit den Duisburger Philharmonikern: Hans Wallat trat gern hier auf. Neben spätromantischen Heroen wie Bruckner und Richard Strauss auch mit von ihm ungewohnten Beiträgen von  Haydn, Tschaikowsky („Rokoko-Variationen“) und Schostakowitsch. Und jetzt darf es auch verraten werden. Auf die Frage, ob es ein Werk gebe, das er überhaupt nicht leiden kann, antwortete er leise: „Ich wage es hier am Rhein gar nicht zu sagen. Aber mit der ‚Rheinischen’ von Schumann kann ich nichts anfangen.“

Pedro Obiera



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